Sitzlehrgang
Nach Eckart Meyners
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„Absatz tief, Schultern zurück und stell doch endlich deine Hände vernünftig hin!“ – welcher Reiter hat diese Anweisungen nicht schon hunderte Male gehört und verzweifelt versucht sie umzusetzen, es
trotz aller Mühen nicht geschafft und sich hinterher gefragt „Bin ich einfach zu blöd dafür? Warum klappt das bei mir nicht und sieht bei den anderen so einfach aus?“ Die Antwort gaben zwei
Sitzlehrgänge der etwas anderen Art im September und Oktober in unserem Verein, geleitet von Pferdewirtschaftsmeisterin Katrin Eschenhorst, die ihre Unterrichtsmethoden auf die Bewegungslehre von
Eckart Meyners stützt. Das Ziel der Wochenendseminare war die Verbesserung der Harmonie zwischen Reiter und Pferd durch eine Verbesserung des Sitzes. Nicht durch die herkömmliche Methode, sondern
durch gezielte Bewegungsanalyse und unterstützende gymnastische Übungen, mit denen sich die Probleme wie in Luft aufzulösen schienen.
Am Freitagabend ging es los, auf dem Programm stand Theorie, die das Konzept des international anerkannten Bewegungsexperten den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern näher bringen und erläutern sollte.
Das Konzept befasst sich mit dem Aufspüren und Lösen von Bewegungseinschränkungen des Reiters, welche beispielsweise durch Blockaden, Verspannungen, oder Versteifungen, die häufig durch mangelnde, oder einseitige und falsche Bewegungen ausgelöst werden. Die damit einhergehenden Sitzfehler des Reiters stören den natürlichen elastischen Sitz erheblich, was wiederum das Pferd in seinem möglichen Bewegungspotential einschränkt. Diese körperlichen Hindernisse lassen sich durch gezielte Gymnastik, auch abseits des Pferderückens, lösen. Oft führt schon die Mobilisierung des Beckens, also der Mittelpositur, zu „Aha-Effekten“ beim Reiter. Das Ziel dieses Bewegungstrainings ist folglich die Auflösung von Blockaden, die Steigerung der koordinativen Fähigkeiten, mehr Leichtigkeit in der Hilfengebung durch verbessertes Gleichgewicht und als Ergebnis dieser Veränderungen eine Steigerung der Losgelassenheit und Leistungsbereitschaft des Pferdes.
Schon am Freitagabend machte sich Katrin Eschenhorst bei den Teilnehmern auf die Suche nach möglichen Problemzonen und nach einem gemeinschaftlichen Gymnastikprogramm wurde allen die Effizienz dieser Trainingsmethode bewusst, als sie an ihre Bewegungsgrenzen stießen und diese schließlich durch gezielte Übungen überschreiten konnten. Der Samstagmorgen wurde also mit großer Motivation und Spannung erwartet.
Los ging es mit einem gemeinsamen Aufwärmtraining. In allen Sportarten ist ein Warmmachen der Muskelpartien üblich und eine Notwendigkeit, warum also nicht auch beim Reiten? Mit viel Spaß probierten alle die vielen verschiedenen Übungen aus. Ob auf dem Gymnastikball, dem von Eckart Meyners entwickelten Balimo-Bewegungshocker, einem luftgefüllten Balance Kissen, oder einfach auf der Turnmatte – jeder kam auf seine Kosten und konnte gut gelaunt und aufgewärmt aufs Pferd steigen. 45 Minuten lang hieß es nun für jeden immer wieder „Und nochmal runter vom Pferd und auf die Matte!“ Katrin Eschenhorst betrachtete Pferd und Reiter genau, denn nur eine ganzheitliche Betrachtung des Reiter-Pferd-Paares kann letztlich zu einer Einheit und damit zu einem harmonischen Bild von Reiter und Pferd führen. Nach und nach spürte sie die Blockaden der Reiter und Reiterinnen auf und half ihnen durch bestimmte Übungen auf der Turnmatte oder dem Balimo die alten Bewegungsmuster zu durchbrechen. Bei so manch einem führte dies‘ nach dem abermaligen Aufsteigen zu erstaunlichen „Aha-Effekten“.
„Ein „Aha-Effekt“ war für mich das Üben des richtigen Treibens auf dem Boden. Ich reite Don seitdem ohne Gerte und nur mit Stummelsporen, da er viel fleißiger läuft und diese Art des Treibens super annimmt. Außerdem ist es für mich viel weniger anstrengend, als das Treiben bei jedem Schritt.“, so Birgit Scheer-Jender über die gemeinsamen Erfolge mit ihrem Pferd Don, die sie durch das Bewegungstraining verzeichnen kann. Auch Anna Schlensker und die 15 jährige Lara Di Martino bemerkten wesentliche Unterschiede im Schwungvermögen ihrer Pferde, ausgelöst durch ein losgelasseneres Mitschwingen in der Mittelpositur, welches sie durch verschiedene Übungen für die Beckenbeweglichkeit erreichen konnten.
Große Fortschritte waren schon am Sonntag sichtbar. An beiden Trainingstagen wurden die Reiter-Pferd-Paare gefilmt, damit man einen Vorher-Nachher-Vergleich zur Verfügung hatte und die Unterschiede waren deutlich. Auch die Zuschauer fielen am zweiten Lehrgangstag aus allen Wolken was für ein verändertes Bild sie auf einmal zu Gesicht bekamen.
Nach diesem sehr lehrreichen Wochenende bemühen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun mit den individuellen DVD-Materialien, welche die Videoaufzeichnungen beider Lehrgangstage und die persönlich zusammengestellten Übungen enthalten, selbstständig weiterzuarbeiten um ein höchstes Maß an Harmonie, Losgelassenheit und Schwung aus sich und ihrem vierbeinigen Partner herauszuholen. Die herkömmlichen Anweisungen „Absatz tief“, „Schultern zurück“ und „Hände hinstellen“ werden von diesen Reitern in Zukunft jedenfalls anders umgesetzt werden können.
